Para Sportschießen: Der Routinier zeigt sich treffsicher
Im kroatischen Osijek treffen vom 30. September bis 8. Oktober die besten Para Sportschütz*innen zu den Europameisterschaften aufeinander. Bei den deutschen Meisterschaften Ende August zeigten die Nominierten des Nationalkaders: Sie sind bereit für den Saisonhöhepunkt. Besonders gilt das für einen Altgedienten. Bernhard Fendt holte in München zwei Titel. Der Deutsche Behindertensportverband präsentiert die Ergebnisse und besonderen Leistungen gemeinsam mit der Heinz-Kettler-Stiftung.
Der Austragungsort in Garching-Hochbrück war ein historischer – und ein potenziell zukunftsträchtiger. Auf der Schießanlage fanden 1972 die Wettkämpfe der Olympischen Spiele statt. Die Bedeutung der Anlage in der aktuellen Bewerbung der Stadt für Olympia und Paralympics hob der bayerische Innenminister Joachim Herrmann bei seinem Besuch der deutschen Meisterschaften hervor. Diese fanden wie in den vergangenen Jahren inklusiv statt. Zwischen dem 21. und dem 31. August waren rund 6000 Sportler*innen in München zu Gast und gaben im Rahmen der Wettkämpfe rund 750.000 Schuss ab – ein Schützenfest in bester Atmosphäre und ganz offensichtlich eine Motivationsspritze auch für die Para Sportschützinnen und Para Sportschützen im Feld, die insgesamt 17 Entscheidungen unter sich ausmachten. Dabei gab es mehr als 300 Startplätze. „Wir haben einige wirklich gute Leistungen gesehen“, sagt der Bundestrainer Para Sportschießen, Rudi Krenn.
Krenns Augenmerk galt überwiegend den paralympischen Disziplinen – und einem Quartett, das die hohe Qualifikationshürde für die anstehenden Europameisterschaften erfolgreich genommen hat: Bernhard Fendt (Schützenbund Krumbach/Alpenrose Memmenhausen), Tjark Liestmann (SV Etzhorn 1898/ SV Ladekop Hinterdeich u. Umg. 1951), Tim Focken (SV Etzhorn 1898) und Moritz Möbius (SSV Zell am Harmersbach). Der 55-jährige Fendt bewies mit dem Kleinkaliber im KK-Liegendkampf Para SH1/AB1 m ohne Hilfsmittel und im Luftgewehr liegend Para SH1/AB1 m ohne Hilfsmittel Treffsicherheit und starke Nerven und verwies Youngster Tjark Liestmann (25) jeweils auf den zweiten Platz. Tim Focken und Moritz Möbius holten im Luftgewehr liegend Para SH2/AB2 m/w mit Hilfsmittel Silber und Bronze hinter Bernd Becker vom SV Goennern.
Ein weiterer deutscher Para Nationalkader-Athlet, Tobias Meyer (Germania 1863 Eibelstadt/ SGi 1950 Rimpar), der die EM-Qualifikation verpasst hat, gewann in München wie Fendt zwei Goldmedaillen. Meyer siegte in den Disziplinen 50m Pistole Para SH1/AB1 m ohne Hilfsmittel und 10m Luftpistole Para SH1/AB1 m ohne Hilfsmittel. Cliff Junker (SSZ Suhl) nahm zweimal Bronze mit nach Hause.
Nicht bei den deutschen Meisterschaften dabei war Natascha Hiltrop. Die 33-jährige zweifache Paralympics-Siegerin von Paris 2024 fehlte prüfungsbedingt. Zur finalen Vorbereitung für Osijek in zweieinhalb Wochen im Bundesleistungszentrum in Wiesbaden stößt Hiltrop dann wieder hinzu. Sie komplettiert als Fünfte und einzige Frau das deutsche Quintett für Kroatien, wo die Schützlinge von Rudi Krenn ihre jüngsten Leistungen bestätigen wollen. „Wir sind guter Dinge“, sagt der Bundestrainer.
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Text: Benjamin Schieler / DBS
