Aktuelles aus den Mitgliedsverbänden des DBS
Seesternchen für alle: Deutschlands erstes inklusives Schwimmabzeichen
Schwimmenlernen schafft Sicherheit, stärkt das Selbstvertrauen und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Doch für viele Menschen – insbesondere mit motorischen Einschränkungen oder besonderem Unterstützungsbedarf – war der Weg ins Wasser bisher von starren Normen geprägt. Die Schwimm- und Behindertensportverbände aus Baden und NRW schließen diese Lücke nun mit dem „Seesternchen für alle" – dem ersten inklusiven Schwimmabzeichen Deutschlands.
Das innovative Konzept entstand im Rahmen der von der Aktion Mensch geförderten Projekte „Inklusives BADEN" und „Auf einer Wellenlänge". Es basiert auf dem Niveaustufenkonzept der Schwimmausbildung der Kultusministerkonferenz, wurde jedoch entscheidend modifiziert und für alle zugänglich gemacht.
Ein Abzeichen, das niemanden zurücklässt
Während das klassische „Seepferdchen" oft als erste Hürde wirkt, die viele Kinder mit motorischen oder kognitiven Beeinträchtigungen nicht auf Anhieb überwinden können, setzen die „Seesternchen für alle" auf eine kleinschrittige, kompetenzorientierte Lernkurve. Das System honoriert nicht erst das fertige Schwimmen, sondern macht den Weg dorthin sichtbar – von der ersten angstfreien Wasserberührung bis zur sicheren Fortbewegung. Die Abzeichen richten sich an alle – unabhängig von Vorerfahrung, Fertigkeitsstand, Behinderung oder Alter. Sie ermöglichen Kindern mit und ohne Behinderung, gemeinsam in heterogenen Gruppen zu lernen und dabei individuelle Erfolge zu zertifizieren. Durch ein flexibles Punktesystem und definierte Nachteilsausgleiche – wie die Nutzung von Hilfsmitteln bei medizinischer Notwendigkeit oder die Verwendung von Leichter Sprache bei der Abfrage von Baderegeln – wird Leistung vergleichbar, ohne diskriminierend zu sein.
Sicherheit und Teilhabe für jedes Kind
Wer sicher schwimmen kann, bewegt sich freier, nimmt an Klassenfahrten, Ausflügen, Kursen und Freizeitangeboten im und am Wasser teil. Gerade Kinder mit Behinderungen oder besonderem Unterstützungsbedarf stoßen in klassischen Abzeichensystemen oft an starre Grenzen. Die feinen Abstufungen der „Seesternchen für alle" geben ihnen nun realistische, erreichbare Ziele und Anerkennung für jeden Schritt im Wasser. Mit der bereits etablierten Zertifikatsausbildung zum Inklusionscoach im Schwimmen verfügen die beteiligten Verbände zudem über speziell geschulte Fachkräfte. Sie planen und leiten inklusive Schwimmkurse und integrieren die neuen Abzeichen passgenau in ihre Angebote. So greifen Qualifizierung und Abzeichensystem ineinander: Inklusionscoaches schaffen die Rahmenbedingungen im Becken, während die inklusiven Seesternchen den Lernfortschritt aller Kinder – unabhängig von Tempo, Lernweg oder Behinderung – sichtbar machen.
Mehr Informationen und Erläuterungen zu den Niveaustufen gibt es hier
Text: Schwimmverband NRW
Stimmen der Verantwortlichen
Anja Surmann, Vorstandsvorsitzende des Behinderten- und Rehabilitationsportverband NRW: „Echte Inklusion zeigt sich in der Praxis am Beckenrand. Wenn Kinder mit und ohne Behinderung im inklusiven Schwimmkurs für ihre Leistung gleichermaßen ausgezeichnet werden, schaffen wir wirkliche Teilhabe. Das Seesternchen ist ein wichtiger Schritt für mehr Sicherheit im Wasser und eine inklusivere Zukunft im Sportland NRW." Claudia Heckmann, Präsidentin des Schwimmverbandes NRW: „Das Seesternchen ist ein pädagogisches Instrument, das die Vielfalt unserer Gesellschaft im Wasser abbildet. Wir holen jedes Kind dort ab, wo es steht – nicht dort, wo eine starre Norm es gerne hätte."
Thorsten Bierkamp, Präsident Badischer Schwimm-Verband: „Unsere Vereine brauchen Werkzeuge, die Lernfortschritte unterhalb des Seepferdchens dokumentieren. Das Seesternchen liefert genau das.““ Prof. Dr. Anja Hirschmüller (Präsidentin BBS Baden): „Das Seesternchen definiert Inklusion als Standard, nicht als Sonderweg. Es macht Wasser für alle erlebbar.“
Jan Pommer, Vorstandsvorsitzender Deutscher Schwimm-Verband: „Inklusive und barrierearme Zugänge zum Schwimmsport sind für den Deutschen Schwimm-Verband e.V. ein wichtiges Anliegen. Mit den Seesternchen für alle zeigen unsere beteiligten Landesverbände praxisnah und wirksam, wie ein inklusives Angebot mehr Kinder ans Schwimmenlernen heranführen kann.“
Idriss Gonschinska, Vorstandsvorsitzender Deutscher Behindertensportverband und Nationales Paralympischen Komitee: „Die Zusammenarbeit der Behindertensport- und Schwimmverbände in Baden und NRW zeigt exemplarisch, wie Teilhabe vor Ort gelingt und die Interessen der Sporttreibenden ins Zentrum rücken. Das ist mehr als eine Erfolgsgeschichte – es kann zu einem bundesweiten Impuls werden und so für mehr Inklusion stehen.“
