Aktuelles vom Rollstuhlfechten
Rollstuhlfechten in Warnemünde: „Die beste DM der letzten 20 Jahre“
Es war ein Fechtfest der Extraklasse: Die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Rollstuhlfechten boten nicht nur hochkarätigen Spitzensport, sondern auch eine außergewöhnliche Atmosphäre. Eingebettet in die spektakuläre Kulisse der Warnemünder Woche, erlebten Athlet*innen und Zuschauer*innen ein außergewöhnliches Event. Der Deutsche Behindertensportverband präsentiert die Ergebnisse und besonderen Leistungen gemeinsam mit der Heinz-Kettler-Stiftung.
Bundestrainer Alexander Bondar zeigte sich nach dem Turnier begeistert und zog ein durchweg positives Fazit: „Es herrscht die einhellige Meinung, dass dies eine – wenn nicht sogar die – beste Deutsche Meisterschaft der letzten 20 Jahre war.“ Einen großen Anteil daran hatte der hervorragende Rahmen der Warnemünder Woche. Mit über 200 verkauften Tickets waren die Wettkämpfe bestens besucht und boten den Athlet*innen die große Bühne, die sie verdienen.
Dass es sich um eine Internationale Deutsche Meisterschaft handelte, war in diesem Jahr besonders deutlich zu spüren. Das Teilnehmerfeld war mit 32 Starter*innen erfreulich groß und reichte von der deutschen Elite über Gäste aus der Ukraine bis hin zu Athlet*innen aus Argentinien und dem Iran. Auch die sportliche Qualität war hoch: Gleich elf Teilnehmer*innen, die an den Paralympischen Spielen 2024 in Paris teilgenommen hatten, standen in Warnemünde auf der Planche – acht von ihnen gewannen dort sogar paralympische Medaillen. Für die deutschen Athlet*innen bedeutete das eine enorme Herausforderung, da in den gemischten Tableaus auf absolutem Weltklasse-Niveau gefochten wurde. Die Meistertitel sicherten sich dabei immer die bestplatziertesten deutschen Athlet*innen.
Mit den Leistungen seiner Schützlinge war Bundestrainer Bonda äußerst zufrieden, denn die deutschen Starter*innen ließen sich von der internationalen Konkurrenz nicht einschüchtern und setzten gleich mehrere Ausrufezeichen. Besonders hervorzuheben ist Dimitrij Rout. Er behielt im Säbel der Kategorie B im entscheidenden teaminternen Duell die Nerven und krönte sich mit einem starken 15:13-Sieg über seinen Nationalmannschaftskollegen Balwinder Cheema zum Deutschen Meister.
Doch auch Balwinder Cheema sorgte in der Kategorie B für Furore: Er bewies einmal mehr seine Fähigkeiten, indem er den Ukrainer Dmytro Serozhenko 15:14 bezwang, der bei den Paralympics in Paris den vierten Platz im Florett belegt hatte. Mit dieser Waffe zeigte sich Cheema als stärkster Deutscher und sicherte sich in packenden Gefechten wichtige Erfolge auf dem Weg zum nationalen Meistertitel im Florett der Kategorie B. Und auch mit dem Degen war Cheema der stärkste Deutsche.
In der Kategorie A der Herren lieferten sich Maurice Schmidt und Julius Haupt hochklassige Gefechte. Schmidt wurde dabei seiner Favoritenrolle gerecht: Der amtierende Paralympics-Sieger mit dem Säbel dominierte in seiner Spezialdisziplin das nationale Feld. Auf dem Weg zum Meistertitel in der Kategorie A besiegte er unter anderem Haupt (15:8) sowie Felix Schrader (15:9) und sicherte sich souverän die deutsche Krone. Haupt wiederum zeigte seine Klasse im Florett der Kategorie A, wo er sich unter anderem gegen den Argentinier Carlos Freitas (15:6) und den Ukrainer Oleksii Zakusylov (15:14) durchsetzte und den Meistertitel in dieser Disziplin gewann. Mit dem Degen triumphierte wiederum Felix Schrader – im Halbfinale schlug er den amtierenden Vize-Europameister mit dieser Waffe, Maksym Mahula aus der Ukraine, mit 15:13.
Starke Frauen und ein Blick in die Zukunft
Bei den Damen überzeugte die erst 14-jährige Leonie Robinson (Kategorie A). In umkämpften Duellen gegen die ukrainische Weltspitze um Yevheniia Breus sammelte sie wertvolle Erfahrung und sicherte sich in den direkten deutschen Vergleichen unter anderem ein 15:3 gegen Alea Wesemann die nationalen Titel im Säbel und Degen der Kategorie A. In der Kategorie C (Open) hielt Diana Bökenhauer-Haack die deutschen Fahnen im Florett und Degen hoch und stellte sich mutig der starken Konkurrenz.
Neben den Senioren-Wettbewerben wurden in Warnemünde am Rande auch die Nachwuchs-Titel in den Klassen U17 und U23 ausgefochten. Felix Schrader, Sieger im U23 Degen gegen Elias Klotz, oder Alea Wesemann nutzten die internationale Bühne, um weitere Wettkampfpraxis für ihre vielversprechende Zukunft zu sammeln.
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Text: Moritz Jonas / DBS
