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Isabell Thal vor der Heim-EM: Mit Leidenschaft und vollem Fokus
Von der Ski-Piste auf die Judomatte – Isabell Thal ist ein echtes Multi-Talent. Die 27-jährige Essenerin startet für das deutsche Para Judo-Nationalteam am 14. August bei den Europameisterschaften in Heidelberg und hat ihr Ziel dabei fest im Blick: eine Medaille (Klasse J2 bis 60 kg) bei den Titelkämpfen im eigenen Land.
Lillehammer, Norwegen. Über das Para Ski alpin-Nachwuchsteam hat es Isabell Thal in die Nationalmannschaft geschafft. Bei der Para Ski alpin-WM 2022 startet die sehbehinderte Athletin mit Guide im Slalom sowie im Riesenslalom und erreicht einen beachtlichen zehnten Platz als bestes Ergebnis. Eine aufregende Zeit für die junge Athletin, die im Anschluss das Kapitel Para Ski alpin im Leistungssport schließt und die Sportart wechselt. Fortan kämpft sie auf der Matte um Siege im Para Judo – schnell startet sie durch und setzt erste Ausrufezeichen. „Beim Grand Prix 2023 in Baku hatte ich mein erstes richtiges Erfolgserlebnis, ich habe es in den Finalblock geschafft. Das war für mich sehr prägend, da ich gemerkt habe, dass ich es wirklich schaffen kann im Para Judo“, sagt Thal. Und wie sie das schafft. 2024 nimmt sie in Paris an ihren ersten Paralympics teil, landet auf der größtmöglichen Bühne auf dem fünften Platz. Ein Jahr später, bei der EM 2025, gewinnt sie mit Bronze ihre erste internationale Medaille.
Das geschieht jedoch nicht zufällig: Sport betreibt Thal bereits seit ihrer frühen Kindheit. Zum ersten Mal auf Skiern steht sie mit fünf Jahren, nur drei Jahre später beginnt sie mit Judo und sammelt schnell Wettkampferfahrung. „Vor allem meine Mutter ist sehr sportaffin, daher habe ich schon früh mit dem Sport begonnen“, erzählt Thal. Sportaffin ist die gebürtige Essenerin selbst auch: In ihrem Leben dreht sich sehr viel um Sport. Ihre Freizeit verbringt sie gerne draußen in der Natur oder beim Klettern. Besonders fasziniert sie jedoch ihre Leidenschaft: „Judo ist sehr vielseitig. Das Training wird dadurch nie langweilig. Man muss Kraft, Schnelligkeit sowie vor allem Technik und Taktik trainieren“, erklärt sie und führt fort: „Ich liebe es total, mich richtig auszupowern. Wenn ich von der Matte gehe und komplett fertig bin, ist es ein richtig cooles Gefühl. Beim Judo spielen auch die Werte spielen eine große Rolle. Es geht immer darum, den Gegner, auch wenn man ihn besiegen will, zu respektieren.“
Diese Begeisterung soll ihr nun auch bei der Heim-EM dabei helfen, in den Kampf um Edelmetall einzugreifen. „Im vergangenen Jahr bin ich bei der EM Dritte geworden. Nach meinem bisherigen Saisonverlauf habe ich definitiv die Erwartung an mich selbst, erneut eine Medaille zu gewinnen“, gibt sich Thal selbstbewusst und freut sich gleichzeitig auf die Wettbewerbe in Deutschland: „Ich finde es richtig cool, dass die EM im eigenen Land stattfindet. Das hat einige Vorteile. Auf der einen Seite haben wir keine Zeitumstellung und müssen uns auch nicht an andere Gegebenheiten anpassen. Auf der anderen Seite ist es ein tolles Gefühl, dass auch die Familie dabei sein kann.“ Ihre Stärken auf der Matte? Eine herausragende Kondition ermöglicht es ihr, auch zum Ende eines Kampfes noch sehr aktiv sein zu können. Darüber hinaus ist sie besonders im Bodenkampf stark – das unterscheidet sie von einigen anderen Athletinnen und Athleten, die sich häufig eher auf den Stand fokussieren.
„Stolz darauf, was ich erreicht habe“
Mit der Unterstützung der Fans im Rücken peilt Isabell Thal in der Stadt am Neckar ihre nächste Medaille an – gleichzeitig steht sie vor einer echten Herausforderung, denn Ende September findet mit den Weltmeisterschaften schon das nächste Highlight statt. Doch mit der Begeisterung für ihren Sport wird sie auch diese Stresssituation problemlos bewältigen. Helfen wird ihr dabei auch eine negative Erfahrung bei der WM 2025. Im Kampf um Bronze ist die Medaille bereits in Reichweite, selbstsicher geht Thal in das Duell, bis sie im entscheidenden Moment schließlich patzt und Edelmetall verliert. Ein Ereignis, das sie bis heute prägt: „Das hat mich zurück auf den Boden der Tatsachen geholt. Beim Judo kann so schnell ein Kampf vorbei sein, man muss nur einen falschen Schritt mache. Daher ist es umso wichtiger, immer vollen Fokus zu haben.“
Isabell Thal hat seit ihrer frühen Kindheit eine Sehbehinderung, ihre Sehkraft beträgt rund fünf Prozent. Als Kind hat sie Probleme damit, ihre Behinderung zu akzeptieren. Auch durch den Para Sport ändert sie ihre Sichtweise. Sie lernt, zu ihrer Sehbeeinträchtigung zu stehen und verbindet damit nur sehr wenig Negatives. „Ich bin stolz darauf, was ich mit meiner Behinderung im Studium und Job schon erreicht habe“, sagt sie. Im Jahr 2025 beendet Thal ihr Masterstudium in Sportwissenschaften erfolgreich, seit März 2026 arbeitet sie nun für den Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen. Als Talentscout ist Isabell Thal unter anderem zuständig für die Suche nach Talenten im Leistungssport – und sieht sich gleichzeitig als Vorbild für andere junge Menschen mit Behinderung: „Mein Ziel ist es, den jungen Menschen zu zeigen, dass Para Sport richtig cool ist und dem olympischen Sport in nichts nachsteht. Das will ich möglichst gerne weitergeben. Dass man zu sich und seiner Behinderung steht und wenn man Lust auf Sport hat, es doch einfach mal versucht. Para Sport hat mein Leben sehr positiv geprägt.“
Am Freitag, 14. August 2026, kämpft Isabell Thal im Heidelberger SNP dome um die EM-Medaille. Der Eintritt ist frei.
