Aktuelles vom Boccia im Deutschen Behindertensportverband
Para Boccia-WM: Wertvolle Erkenntnisse für das deutsche Team
Bei der Weltmeisterschaft in Seoul hat das deutsche Para Boccia-Team die Spiele um Medaillen verpasst. Boris Nicolai erreichte im Einzel das Viertelfinale und damit das Minimalziel von Cheftrainer Hanno Felder. Im Pair-Wettbewerb mussten sich Nicolai und Anita Raguwaran dagegen bereits nach der Gruppenphase verabschieden. „Die Welt-Elite hat uns gezeigt, wo unser Platz ist“, sagt Felder.
Mit zwei souveränen Siegen zog Boris Nicolai als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. Gegen Ungarn setzte sich der als Weltranglistendritter angereiste Deutsche mit 9:2 durch, gegen Großbritannien ließ er seinem Gegner Louis Saunders beim 6:1 ebenfalls keine Chance. „Seine Siege waren souverän“, sagt Felder. Auch im Achtelfinale gegen den Kanadier Iulian Ciobanu behielt Nicolai die Nerven. Nach einem zwischenzeitlichen Rückstand kämpfte er sich zurück und gewann mit 4:3. „Im letzten End konnte er durch einen genialen Ball den Sieg festmachen“, berichtet Felder. Im Viertelfinale wartete mit Pornchok Larpyen aus Thailand der erste Gegner, gegen den sich Nicolai geschlagen geben musste. Zwar entschied er die letzten beiden Ends für sich, der Vorsprung des Thailänders aus den ersten beiden Durchgängen war jedoch zu groß, sodass Nicolai mit 3:7 verlor. Für Felder ist der Einzug unter die besten Acht dennoch ein Erfolg: „Dies war das Minimalziel und ist somit erreicht worden.“
Für seine Teamkollegin Anita Raguwaran endete der Einzelwettbewerb der Klasse BC4 dagegen bereits in der Gruppenphase. Gegen Griechenland unterlag sie unglücklich mit 1:3. „Einige Bälle waren zu ungenau, was sich bei diesem Niveau immer negativ auswirkt“, erklärt Felder. Im zweiten Gruppenspiel musste Raguwaran gegen die favorisierte Ungarin Alexandra Szabo gewinnen, um noch ins Achtelfinale einzuziehen. Trotz großer Gegenwehr unterlag sie deutlich mit 1:12.
Frühes Aus im Pair-Wettbewerb
Nach dem Ende der Einzelwettbewerbe galt es laut Felder für das deutsche Duo, den „Kopf zu resetten“. Regeneration, Ball-, Taktik- und Videotraining standen auf dem Programm, ehe zwei Tage später der Pair-Wettbewerb begann. „Hier gilt es, ein optimales Mindset zu finden“, sagt Felder. Der Start gelang: Gegen Kroatien feierten Nicolai und Raguwaran einen deutlichen 12:0-Sieg. Im zweiten Gruppenspiel gegen Brasilien musste sich das Duo jedoch nach hartem Kampf mit 2:3 geschlagen geben. Damit war im letzten Spiel gegen Großbritannien ein Sieg Pflicht, um das Viertelfinale zu erreichen. Doch auch gegen die favorisierten Engländer reichte es nicht. Nach einem laut Felder „wechselvollen und hochklassigen“ Spiel unterlag Deutschland und verpasste so den Sprung unter die besten acht.
"Das hat uns gezeigt, wo unser Platz aktuell ist"
Auch wenn das deutsche Team im Gegensatz zur Europameisterschaft 2025 und den letzten Turnieren (hier geht's zum WM-Vorbericht) ohne Edelmetall aus Seoul abreist, sieht Felder in den Ergebnissen wichtige Erkenntnisse für die weitere Arbeit. „Auch ohne Medaille waren die Platzierungen immer im Bereich der Top Ten“, sagt der Cheftrainer. Gleichzeitig habe die WM deutlich gemacht, dass die Konkurrenz im Vergleich zu den vergangenen Weltcups noch einmal eine andere Herausforderung darstelle. „Allein die doppelte Anzahl an Athletinnen und Athleten und somit die komplette Welt-Elite haben uns gezeigt, wo unser aktueller Platz ist“, sagt Felder.
Für die kommende Zeit steht der Fahrplan des Cheftrainers: „Wir konnten wertvolle Inhalte für die weitere Trainingsplanung gewinnen.“ Nun gelte es, bestehende Defizite gezielt anzugehen und „in den nächsten Monaten und in 2027“ weiter zu minimieren.
Text: Monja Nagel / DBS
