Aktuelles vom Boccia im Deutschen Behindertensportverband
Melderekord und Heimsieg zum Saisonabschluss: Packende Entscheidungen bei der Para Boccia-DM
Ein neuer Teilnahmerekord, hochklassige Präzisionsarbeit und ein umjubelter Heimsieg: Bei der 22. Deutschen Meisterschaft im Para Boccia in Markgröningen präsentierte sich die nationale Szene in bester Verfassung. Während die etablierten Kräfte in der Sporthalle I am Benzberg ihre Favoritenrollen bestätigten, sorgten ein Lokalmatador und ein Überraschungssieger für besondere Glanzlichter. Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert.
Nachdem die Teilnahmezahlen bei den nationalen Titelkämpfen in den vergangenen Jahren rückläufig waren, setzte die diesjährige Auflage in Baden-Württemberg ein starkes Zeichen für die Breite der Sportart: Mit 46 gemeldeten Athlet*innen verzeichnete der ausrichtende TV Markgröningen e.V., der die Meisterschaften im Auftrag des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands (DRS) bereits zum dritten Mal nach 2009 und 2012 organisierte, einen neuen Melderekord. Besonders erfreulich für die zukünftige Entwicklung des Para Boccia in Deutschland war der Zuwachs an neuen Gesichtern: Gleich neun Startende wurden im Rahmen des Turniers neu klassifiziert.
Siebter Streich für Lokalmatador Keller und ein Berliner Überraschungscoup
In der Startklasse BC4 ging das Turnier in diesem Jahr ohne das internationale Top-Duo über die Bühne: Boris Nicolai und Anita Raguwaran (beide BRS Gersweiler-Ottenhausen), die nach starken Weltcup-Podestplätzen in Montreal und Astana Ende August auch bei der Weltmeisterschaft in Seoul im Einsatz waren, standen in Markgröningen nicht auf dem Spielfeld. In ihrer Abwesenheit nutzte Lokalmatador Bastian Keller vom gastgebenden TV Markgröningen die Bühne vor heimischem Publikum perfekt aus. Mit ruhiger Hand und großem taktischen Geschick krönte er sich bereits zum siebten Mal zum Deutschen Meister. Platz zwei sicherte sich Nicole Michael (HSG Uni Greifswald) vor Heiko Striehl von der RSG HD-Schlierbach.
Für die größte Überraschung des Wochenendes sorgte Andras Derenthal in der Wettkampfklasse BC2. Der Athlet der Berlin Boccias zählte im Vorfeld nicht zum engsten Favoritenkreis, spielte sich jedoch eindrucksvoll durch das Turnier und ließ im Kampf um den Meistertitel die Konkurrenz hinter sich. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Manuel Wolfsteiner (ICP München) und Peter Winklmeier vom TSV Großhadern.
Erfolgreiche Titelverteidigungen in den Klassen BC1 und BC3
Ihrer Favoritenrolle vollauf gerecht wurden hingegen die Mitglieder der Nationalmannschaft in den Startklassen BC1 und BC3. In der Klasse BC3 feierte Christine Fink (SFD Bad Kreuznach), die bereits zum Jahresauftakt beim Weltcup im kanadischen Montreal internationale Erfahrung im Kreis der Weltspitze gesammelt hatte, gemeinsam mit ihrer Sportassistentin Christina Lindt die erfolgreiche Titelverteidigung. Im Finale verwies das eingespielte Duo Phillip Ditten und seine Assistentin Anesa Balic (BRS Gersweiler) auf den zweiten Rang. Das Podium komplettierte Finks Vereinskollegin Nancy Poser mit Assistentin Sarah Seelberger.
Ebenso souverän wiederholte Christoph Voit (BVS Weiden) seinen Vorjahreserfolg in der Startklasse BC1. Nach konstanten Leistungen über beide Wettkampftage hinweg sicherte sich Voit erneut die Deutsche Meisterschaft vor Mirko Hartung (Inklusivo Berlin) und Anne Walter von der HSG Uni Greifswald.
Am Ende eines intensiven Wettkampfjahres – in dem die Nationalmannschaft um Cheftrainer Prof. Dr. Hanno Felder von den Weltcups bis zur WM in Südkorea wichtige Erkenntnisse auf dem Weg Richtung Los Angeles 2028 sammeln konnte – unterstrich die DM in Markgröningen eindrucksvoll, dass der deutsche Para Boccia-Sport auch auf nationaler Ebene wieder spürbar an Fahrt aufnimmt.
Die Ergebnisse der deutschen Meisterschaften in den Para Sportarten werden in diesem Jahr von der Heinz-Kettler-Stiftung (HKS) präsentiert, um die Aufmerksamkeit für die deutschen Meisterschaften zu erhöhen und die außergewöhnlichen Leistungen der Athlet*innen sichtbarer zu machen. Die HKS wurde von Heinz Kettler und seiner Tochter Dr. Karin Kettler bereits im Dezember 1999 gegründet, um Sportler*innen mit Behinderung in ihrer Sportausübung zu unterstützen und den Inklusionsgedanken in die Praxis umzusetzen.
Quelle: Thomas Keller / DRS, Ergänzungen Moritz Jonas / DBS
