Aktuelles vom Blindenfußball
Blindenfußballer verpassen EM-Halbfinale hauchzart
Die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft hat ihr abschließendes Gruppenspiel bei der Europameisterschaft in Straßburg mit 0:1 gegen Gastgeber Frankreich verloren und damit den Einzug ins Halbfinale ganz knapp verpasst. Zuvor hatte England mit 8:0 gegen Griechenland gewonnen und war in der Tabelle nach Toren an den punktgleichen Deutschen vorbeigezogen.
Das direkte Duell zwischen Deutschland und England im zweiten Gruppenspiel endete 1:1. Das Team von Bundestrainer Martin Mania lief einem Rückstand bis in die zweite Hälfte hinterher, ehe Taime Kuttig den viel umjubelten Ausgleich erzielte. Zuvor gewann Deutschland zum Auftakt gegen Griechenland mit 4:0. So war die Ausgangssituation vor dem abschließenden Match gegen die Gastgeber eigentlich wunschgemäß - hätten die Engländer nicht unmittelbar davor den 8:0-Kantersieg gegen Griechenland gefeiert, so dass Deutschland einen Punkt brauchte und nicht mehr aufs mögliche bessere Torverhältnis gucken konnte.
Die Partie gegen Frankreich war geprägt von zwei Teams, die sehr verhalten agierten. Mit einer Niederlage hätte Frankreich den Gruppensieg noch aus der Hand gegeben, während die DBS-Mannschaft mindestens einen Punkt brauchte. Der Paralympics-Sieger und Europameister aus dem Nachbarland kam erst wenige Minuten vor dem Halbzeitpfiff zu seiner ersten nennenswerten Torchance. Martin Baron zwang Sebastian Themel zu einer starken Fußparade – der Ball prallte jedoch über die Seitenbande ins Aus. Beim anschließenden Einschuss reagierten die Franzosen blitzschnell: Babacar Niang dribbelte an, zog aus acht Metern ab, und der Ball wurde von DBS-Akteur Mulgheta Russom unhaltbar für Keeper Themel abgefälscht. Bundestrainer Martin Mania: „Ein Tor, das so nicht häufig fällt.“
Die deutsche Mannschaft musste also wieder einem Rückstand hinterherrennen. Nach der Pause blieb es bei dem Duell auf Augenhöhe – eigentlich ein klassisches 0:0-Spiel. Die größte Chance der Deutschen ereignete sich 75 Sekunden vor Schluss: Jonathan Tönsing tauchte frei vor dem französischen Tor auf, scheiterte aber aus vier Metern an Keeper Jonathan Grangier. Mania: „Besser kann die Chance eigentlich gar nicht sein. Vier Meter Torentfernung, Joni frei vorm Tor, dazu sein linker Fuß. Wenn man sich in unserer Situation etwas wünschen kann, dann eine solche Chance.“ Es wäre vermutlich das Tor zum Halbfinale gewesen. So war die Enttäuschung bei Deutschlands Blindenfußballern groß.
Der Bundestrainer zeigte sich selbstkritisch: „Wir haben kein gutes Spiel gemacht im Vergleich zu den ersten beiden Spielen, wenn man auf die Griffigkeit schaut. Und wir waren nicht spritzig genug.“ Gleichzeitig lobte er die Mentalität seines Teams: „Die Mannschaft hatte den Glauben an den Punkt bis zur letzten Sekunde.“
Durch die Niederlage rückt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien in weite Ferne. Am Freitag trifft die deutsche Mannschaft nun in der Zwischenrunde um 15 Uhr auf Rumänien. Ein Sieg würde das wichtige Spiel um Platz fünf ermöglichen – und damit die Chance, sich doch noch für die European Para Championships in Genf im August 2027 zu qualifizieren. Dort werden die Blindenfußballer um ein Ticket für die Paralympics 2028 in Los Angeles spielen.
Alle EM-Spiele mit deutscher Beteiligung werden im Internet per deutscher Live-Audiodeskription übertragen. Die Live-Audiodeskription beginnt immer 15 Minuten vor dem Anpfiff.
Alle Partien werden auch auf YouTube übertragen.
Die DFB-Stiftung Sepp Herberger und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sind seit 2021 Kooperationspartner der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft. Die Fußball-Stiftung wurde 1977 ins Leben gerufen und engagiert sich unter anderem mit verschiedenen Projekten und Programmen aktiv im Fußball für Menschen mit Behinderung.
Text: Jonas Bargmann / DBS
