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Für die WM-Teilnahme Urlaub eingereicht

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Stefan Lösler © Binh Truong / DBS

Stefan Lösler will es wissen. Nach einem Weltcup-Sieg und Rang vier bei der WM in 2016 sowie Bronze bei der Europameisterschaft im Juli soll für den Para-Triathleten diesmal auch bei der Weltmeisterschaft eine Podestplatzierung herausspringen. „Ich muss alles auspacken, was in mir steckt. Dann habe ich durchaus Chancen“, sagt der 32-Jährige vom GC Nendorf.

Lösler ist einer von fünf deutschen Athletinnen und Athleten, die Cheftrainer Tom Kosmehl mit zur WM nach Rotterdam nimmt. Für alle wird es am 15. September ernst. Vier von ihnen jubelten bei der EM in diesem Jahr bereits über Edelmetall. Allen voran der amtierende Paralympics-Sieger, Welt- und Europameister Martin Schulz sowie überraschend auch Maike Hausberger (Silber) und Lena Dieter (Bronze). Und eben Stefan Lösler. „Die Zeichen stehen gut. Das war ein super Wettkampf“, betont der 32-Jährige.

Besser als vor einem Jahr bei den Paralympics in Rio de Janeiro. Da reichte es für Lösler an der Copacabana nur zu Platz acht. „Auf dem Rad lief es leider überhaupt nicht rund – ausgerechnet beim großen Highlight. Das war sehr ärgerlich“, seufzt Lösler. Es war übrigens seine zweite Paralympics-Teilnahme nach Sotschi 2014, wo er als Snowboarder am Start war. Jetzt soll es in Rotterdam bei der WM erfolgreicher werden. „Ich würde gerne eine Medaille mitnehmen. Das Niveau wird zwar immer höher, aber auch ich habe mich weiter gesteigert und noch einen Schritt nach vorne gemacht“, sagt der Athlet aus Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg), der 2010 als Fußgänger angefahren und dabei so schwer verletzt wurde, dass der linke Unterschenkel samt Kniegelenk amputiert werden musste.

Um beim Schwimmen, auf dem Rad und beim Laufen angreifen zu können, hat Lösler auch in diesem Jahr unzählige Trainingskilometer zurückgelegt. Zuletzt wurde noch bei einem Lehrgang im Olympischen und Paralympischen Trainingszentrum Kienbaum am Feinschliff gearbeitet. „Wir haben ordentlich Gas gegeben, ich fühle mich fit und gut in Form.“ Dass er in der Woche noch 32 Stunden bei seinem Arbeitgeber im Büro tätig ist, macht es nicht einfacher, das notwendige Trainingspensum für den Triathlon zu meistern. „Gerade beim Radfahren hilft nur: Rauf auf den Sattel und möglichst lange fahren“, sagt Lösler. Das kostet Zeit. „Neben der Arbeit und dem Sport bleibt mir nicht mehr viel Freiraum für Hobbys."

Für die Teilnahme an der WM hat er bei seinem Arbeitgeber sogar einen Urlaubsantrag eingereicht. Dann fährt er mit dem Auto rund sechs Stunden nach Rotterdam, vor Ort folgt noch leichtes Training, die Kursbesichtigung – und dann muss am 15. September alles passen. „Der Kurs mit dem Rad ist sehr anspruchsvoll mit vielen Kurven“, weiß Lösler bereits aus dem Vorjahr. Seine härtesten Konkurrenten kommen aus Großbritannien, Frankreich und den USA. „Mindestens einen davon muss ich schlagen. Das wird keine leichte Aufgabe“, sagt er. Doch Stefan Lösler ist bereit – und eines wird er garantiert: „Alles auspacken, was in mir steckt“.

Der deutsche Kader im Überblick:

Lena Dieter (20 / Weinheim / TSV Amicitia Viernheim), Maike Hausberger (22 / Trier / Postsportverein Trier), Benjamin Lenatz (33 / Radevormwald / RSC Köln), Stefan Lösler (32 / Kirchheim unter Teck / GC Nendorf), Martin Schulz (27 / Oschatz / DHfK Leipzig).

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