Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins

Menschen mit Behinderung können aufgrund ihrer körperlichen, geistigen oder emotionalen Entwicklung sehr leicht Opfer von Diskriminierung und Gewalt werden. Die Täterinnen und Täter nutzen dabei Macht-, Abhängigkeits- und Vertrauensbeziehungen aus, um ihre eigenen (sexuellen, emotionalen, sozialen) Bedürfnisse auf Kosten der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zu befriedigen.

Im Zuge der Gender Mainstreaming-Debatten und der Schaffung des neunten Sozialgesetzbuches (§ 64 SGB IX) beschäftigte sich der DBS verstärkt mit der Thematik Selbstbehauptung und Persönlichkeitsstärkung von Mädchen und Frauen mit und mit drohender Behinderung. Die „Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins" (ÜzSdS) wurden daraufhin erstmals am 1. Juli 2001,mit in Kraft treten des Neunten Buches des Sozialgesetzbuches (SGB IX), in das deutsche Rehabilitationsrecht aufgenommen.

Die ÜzSdS sind eine besondere Form des Rehabilitationssports und werden als eigene Übungsveranstaltungen angeboten. Mit den ÜzSdS soll das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen der Teilnehmerinnen entwickelt und gestärkt werden. Dem liegt der Leitgedanke zugrunde, dass es nicht ausreicht, eine Selbstverteidigungssportart zu erlernen bzw. einen Selbstverteidigungskurs zu belegen, da die Angst und Unsicherheit oftmals bleiben. Viele haben nie gelernt, sich durchzusetzen oder ihre eigenen Interessen mit Nachdruck zu vertreten – „Nein“ zu sagen. Gleichzeitig dienen die Übungen zur Gewaltprävention, da das Erkennen von sich anbahnenden Konflikten durch eine Sensibilisierung der Wahrnehmung geschult wird.

Um die Übungsleiterinnen auf die Durchführung der ÜzSdS vorzubereiten bzw. zu qualifizieren, wurden durch den DBS in Zusammenarbeit mit verschiedenen Expertinnen, ein auf der Übungsleiterqualifikation für den Rehabilitationssport aufbauendes Weiterbildungsmodul entwickelt. Das Weiterbildungskonzept „ÜzSdS für Mädchen und Frauen mit oder mit drohender Behinderung“ wurde im Jahr 2011 vom Ausschuss Bildung/Lehre im DBS beschlossen. Neben speziellen Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins und deren didaktische und methodische Durchführung, werden hier zudem soziologische, psychologische und kommunikative Aspekte vermittelt, um die Übungsleiterinnen im besonderen Maße darauf vorzubereiten, die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen angemessen zu berücksichtigen, damit eine erfolgreiche Rehabilitationsleistung im Rahmen des bio-psycho-sozialen Ansatzes erreicht wird.

Nach erfolgreicher Absolvierung dieser Weiterbildung sind die Übungsleiterinnen dazu berechtigt, anerkannte Rehabilitationssportgruppen im Bereich der ÜzSdS zu leiten. Die Gruppen werden dabei grundsätzlich von zwei Übungsleiterinnen geleitet, wobei nur eine die notwendige Zertifizierung nachzuweisen hat.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Weiterbildung Übungen zur Stärkung des Selbstbewusstseins

Diese Weiterbildung richtet sich an Übungsleiterinnen, die bereits im Besitz einer gültigen Übungsleiterlizenz B im Bereich Rehabilitationssport sind und auf Grundlage des § 64 SGB IX, ein eigenständiges Rehabilitationssportangebot zum Thema Selbstbehauptung für Mädchen und Frauen mit oder mit drohender Behinderung durchführen möchten.

Umfang: Die Weiterbildung umfasst 82 LE.

Es werden folgende spezifische Kursinhalte vermittelt:

  • Techniken zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung
  • Selbsterfahrung
  • Wahrnehmungsübungen
  • Umgang mit Gewalt
  • Rolle als Trainerin
  • Rollenspiele
  • Formales auf Grundlage  § 64 SGB IX
  • Rechtliche Aspekte
  • Konzeptentwicklung
  • Lehrprobe

Verkürzte Weiterbildung - W15

Die verkürzte Weiterbildung richtet sich an Übungsleiterinnen mit gültiger B Lizenz im Bereich Rehabilitationssport, die zusätzlich über weitere Vorqualifikationen verfügen. Die Vorqualifikationen  sind nachfolgend unter dem Punkt "Teilnahmevoraussetzungen" aufgeführt. 

Umfang: Die verkürzte Weiterbildung umfasst 15 LE.

Es werden folgende spezifische Inhalte vermittelt:

  • Theoretische Einführung
  • Rechtliche Grundlagen
  • Psychologische und medizinische Aspekte
  • Zielgruppenspezifische Besonderheiten in Methodik und Didaktik
  • Wahrnehmungsübungen
  • Selbsterfahrung
  • Rollenspiele
  • Rolle als Trainerin
  • Konzeptentwicklung/Stundenaufbau

 

Informationen für Teilnehmerinnen

Nachweis und Gültigkeit

Nach erfolgreicher Teilnahme an der Weiterbildung ÜzSdS erhält die Übungsleiterin ein Zertifikat, welches nur in Verbindung mit einer gültigen Übungsleiterlizenz B „Rehabilitationssport“ des Deutschen Behindertensportverbandes gültig ist.

Teilnahmevoraussetzungen

Als Teilnahmevoraussetzung an den Bildungsmaßnahmen im DBS gilt das Mindestalter von 18 Jahren. Darüber hinaus müssen die Teilnehmerinnen der Weiterbildung ÜzSdS im Besitz einer gültigen Übungsleiterlizenz B „Rehabilitationssport“ sein.

Für die Teilnahme an der verkürzten Weiterbildung (15 LE statt 82 LE) muss die Übungsleiterin B „Rehabilitationssport“ zusätzlich über eine der folgenden Vorqualifikationen verfügen:

  • WENDO-Trainerinnen mit abgeschlossener 3-jähriger Ausbildung
  • Karate-Trainerinnen mit C Lizenz und Weiterbildung nach dem Konzept von Lydia Zijdel und/oder Fortbildungen zum Thema Gewaltprävention und Frauensport
  • Karate-Trainerinnen mit B Lizenz und dem Zusatz Gewaltprävention und/oder Selbstverteidigung
  • Selbstverteidigungstrainerinnen nach dem Konzept von Sunny Graf
  • Ju-Jutsu-Trainerinnen mit Grüngurt, zusätzliche Ausbildung mit mind. 25 LE für Frauenselbstverteidigung in ihrem Verband
  • Ju-Jutsu-Trainerinnen mit B Lizenz und dem Zusatz Gewaltprävention und/oder Selbstverteidigung
  • Inhaberinnen der DOSB- Sonderlizenz „Selbstbehauptung für Mädchen und Frauen“ im Umfang von 96 LE
  • Trainerinnen mit C Lizenz beim Deutschen Judobund e.V., die das Modul „Gewaltprävention“ und die Fortbildung „Selbstbehauptung für Frauen“ absolviert haben
  • Judo-Trainerinnen mit B Lizenz mit dem Zusatz Gewaltprävention und/oder Selbstverteidigung