Zurück zur alten Liebe

Florian Schillinger verlässt nach mehr als sechs Jahren das Nordic Paraski Deutschland in Richtung der Nordischen Kombinierer, mit denen er als Junior zweimal Mannschaftsweltmeister wurde.

Schillinger in Pyeongchang © Ralf Kuckuck / DBS-Akademie Bild vergrößern
Schillinger in Pyeongchang © Ralf Kuckuck / DBS-Akademie

Seit 2012 war Florian Schillinger ein fester Bestandteil im Team um die deutschen Para Skilangläufer und Para Biathleten, erst als versierter Skitechniker, zuletzt als Begleitläufer von Vivian Hösch. Wenige Monate nach dem Karriereende der sehbehinderten Freiburgerin hat nun auch der 33-Jährige vom SV Baiersbronn „Adieu“ gesagt. Anfang Oktober wechselte er zu den Nordischen Kombinierern des Deutschen Ski-Verbands (DSV), die er als Sportwissenschaftler bei Lehrgängen und Wettkämpfen betreuen wird. 

Für den gebürtigen Freudenstädter, der seit 2017 mit seiner Familie in Hinterzarten im Hochschwarzwald lebt, ist es eine Reise in die Vergangenheit. Als aktiver Sportler war er selbst Nordischer Kombinierer – mit beachtlichem Erfolg. Zweimal holte er Gold bei Junioren-Weltmeisterschaften mit der Mannschaft, einmal Silber. Zu seinen Teamkameraden gehörten damals unter anderem Björn Kircheisen und Tino Edelmann. 2005 holte er im finnischen Rovaniemi obendrein Silber im Einzel-Sprint. 

Mit dem heutigen Bundestrainer der deutschen Para Skilangläufer und Para Biathleten, Ralf Rombach, war Schillinger schon damals freundschaftlich verbunden. Rund um die Jahrtausendwende, als Schillinger ins Skiinternat nach Furtwangen ging, arbeitete Rombach dort als Trainer. „Ich habe Flori als verlässlichen Menschen kennengelernt, sehr ordentlich in der Sache“, erinnert sich Rombach, der den Schützling nach dessen Karriereende in seinen Betreuerstab beim Nordic Paraski Team Deutschland holte. Schillinger half am Stützpunkt in Freiburg als Begleitläufer bei Lehrgängen aus und erforschte im Auftrag des FraunhoferInstituts Skibelagsstrukturen bei unterschiedlichen Schneebedingungen – es war seine Abschlussarbeit im Studium der Sportwissenschaften, die Rombach und seinen Sportlern viele hilfreiche Erkenntnisse lieferte.  

Bei den Paralympischen Spielen 2014 in Sotschi war Schillinger als Skitechniker dabei, danach wurde er Guide von Vivian Hösch. Den größten Erfolg feierte das Duo 2015 bei der WM in Cable (USA) mit Bronze im Biathlon-Sprint über sechs Kilometer. „Darauf bin ich stolz“, sagt Schillinger. Der letzte gemeinsame Auftritt bei den Paralympics 2018 in PyeongChang (Südkorea) verlief unglücklich, da Hösch wegen einer Erkrankung nur eines von sechs Einzelrennen bestreiten konnte. „Das war natürlich tragisch, aber das paralympische Erlebnis trotzdem unheimlich spannend“ – wie die gesamte Zeit als Teil des deutschen Nordic Paraski Teams. „Ich habe viel gelernt über den Umgang mit Menschen mit Behinderungen, Das ist mir anfangs nicht immer leicht gefallen, aber es hat sich so entwickelt, dass die Behinderung keine Rolle mehr spielte.“ Auch die nationenübergreifend familiäre Atmosphäre im Parasport imponierte ihm. 

Auf seine neue Aufgabe freut er sich nun, weil er noch viele Sportler und den Bundestrainer Hermann Weinbuch von früher kennt. „Ich bedaure es, dass Flori nicht mehr bei uns dabei ist“, betont hingegen Ralf Rombach, „aber ich hoffe, dass wir von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen trotzdem weiter profitieren können.“ Die Chancen darauf stehen nicht schlecht. Die Hälfte seiner Arbeitszeit soll Schillinger am Olympiastützpunkt Freiburg für die Leistungsdiagnostik etwa am Skiroller-Laufband verantwortlich sein – und dort auch wieder in Berührung mit den deutschen Para Skilangläufern und Para Biathleten kommen.

Quelle: Ben Schieler

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