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Hemmungen abbauen und gemeinsam Lösungen finden

Para Schwimmen: Susanne Jedamsky ist seit sechs Monaten Co-Bundestrainerin und bringt die Erfahrung aus fast 35 Jahren – Schwerpunkte sind die Bereiche Nachwuchs und Diagnostik

Ute Schinkitz und Susanne Jedamksy Bild vergrößern
Susanne Jedamksy (rechts) und Ute Schinkitz

Susanne Jedamsky war früher selbst als Schwimmerin aktiv, schaffte es in die Junioren- sowie in die B-Nationalmannschaft. „Den Traum von Olympia konnte ich mir aber leider nicht erfüllen“, sagt die 54-Jährige rückblickend. Nun setzt sie sich seit einem halben Jahr dafür ein, dass junge Schwimmerinnen und Schwimmer mit Behinderung vielleicht einmal an den Paralympischen Spielen teilnehmen. Denn Jedamsky ist seit November Co-Bundestrainerin Para Schwimmen im Deutschen Behindertensportverband. Ihre Schwerpunkte: Nachwuchs und Diagnostik.

Ihren ersten Einsatz hatte sie bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Remscheid, es folgten zahlreiche Besuche bei den Paralympischen Trainingsstützpunkten oder bei den Vereinen der Athletinnen und Athleten der Nationalmannschaft. „Das war zunächst viel Neuland für mich und ich habe in den vergangenen Monaten einiges hinzugelernt“, sagt Jedamsky. Dabei hat sie im Schwimmsport mächtig Erfahrungen vorzuweisen. Nach dem frühen Ende ihrer aktiven Karriere arbeitet sie bereits seit 1984 als Trainerin – im Verein, im saarländischen und rheinland-pfälzischen Verband, am Olympiastützpunkt Hamburg und zuletzt bei der SG Bayer in Wuppertal.

Dabei hatte sie häufig auch Kontakt zur Trainingsgruppe am Paralympischen Stützpunkt, unter anderem mit den Paralympics-Teilnehmern Tobias Pollap und Hannes Schürmann. In der neuen Funktion hat sie die Entwicklung der Para Schwimmer noch genauer im Blick. „Im Grunde genommen ist es genau wie mit Athleten ohne Behinderung, der Ansatz ist gleich“, erklärt Jedamsky. Gerade auch hinsichtlich der Leistungsdiagnostik und der Rennanalyse.

Jedamsky: „Die Trainingszeit so effektiv wie möglich nutzen“

International war die 54-Jährige aus dem rheinland-pfälzischen Vallendar erstmals bei der World Series in Kopenhagen im Einsatz und sammelte fleißig Videomaterial. „Das ist sehr hilfreich, da man das Rennen in mehrere Einzelteile gliedern und in Zeitlupe anschauen kann. Somit hat man viel mehr Details, kann verschiedene Rennen miteinander vergleichen und Rückschlüsse für das Training ziehen, um so die letzten Reserven herauszuholen“, berichtet Jedamsky.

Das sei im hart umkämpften internationalen Wettstreit unerlässlich. „Schwimmen ist eine sehr trainingsintensive Sportart. Auf professionellem Niveau ist es daher umso wichtiger, die Zeit so effektiv wie möglich zu nutzen und genau zu wissen, woran man arbeiten muss.“ Doch nicht nur die reine Leistungsfähigkeit sei entscheidend. „Auch die mentale Komponente ist von großer Bedeutung“, betont Susanne Jedamsky und fügt hinzu: „Die Persönlichkeitsentwicklung, die Konzentration, der Fokus im richtigen Moment – all das muss auch passen. Nur so ist man in der Lage, in der Weltspitze mit zu schwimmen.“ Man dürfe nicht kopflos ins Wasser stürzen, sondern brauche ebenso mental eine gute Vorbereitung und einen guten Plan. „Da herrscht häufig noch Nachholbedarf.“

So wird beispielsweise bei einem Nachwuchs-Lehrgang der Deutschen Behindertensportjugend über Pfingsten auch das Projekt „MentalTalent“ der Deutschen Sporthochschule integriert. Dabei geht es um die sportpsychologische Betreuung für den Nachwuchsleistungssport. „Es ist wichtig, frühzeitig die ersten Grundsteine zu legen“, sagt Jedamsky.

Inklusive Trainingsgruppen: Bestehende Hürden aus dem Weg räumen

Doch zuvor muss überhaupt erst Nachwuchs gefunden werden – kein leichter Job. Denn oftmals ist es wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Uns muss es gelingen, die Kinder und Jugendlichen anzulocken und für das Schwimmen zu begeistern. Das ist eine schwierige, aber spannende Aufgabe. Es gibt bestimmt viele talentierte Kinder in Deutschland, die noch nicht auf unserem Radar sind.“ Diese ausfindig zu machen und heranzuführen, dazu will auch Susanne Jedamsky beitragen.

Und dabei ihre Kontakte nutzen. „Ich bin beim Schwimmsport dabei, seit ich laufen kann und habe auch in den über den drei Jahrzehnten als Trainerin viele Menschen kennengelernt“, sagt die 54-Jährige. Dabei geht es nicht nur darum, den Nachwuchs zu finden, sondern auch Trainingsmöglichkeiten anzubieten. „Sehr gerne natürlich direkt im Schwimmverein vor Ort in inklusiven Gruppen. Das sollte unser Ziel sein, sofern es die Behinderung zulässt“, erklärt Jedamsky. Das heißt auch: bestehende Ängste und Hemmungen abbauen. „Da wollen wir gemeinsam Lösungen finden. Es gibt viele positive Beispiele, die zeigen, dass es in der Praxis funktioniert, wenn man sich traut und sich austauscht.“ An einem solchen Austausch beteiligt sich auch Susanne Jedamsky gerne. Ihre Erfahrung aus fast 35 Jahren als Trainerin sowie die Arbeit mit Schwimmern mit und ohne Behinderung sind beste Voraussetzungen, um bestehende Hürden aus dem Weg zu räumen.

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