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Die Erich Kästner-Schule auf dem Weg zu ‚Jugend trainiert für Paralympics‘ (Teil III)

Von Langen nach Berlin

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Elf Schüler der Erich Kästner-Schule für Körperbehinderte in Langen fahren am Donnerstag zu ‚Jugend trainiert für Paralympics‘. Der Wettkampf wird an diesem Wochenende zum ersten Mal offiziell in Berlin ausgetragen. Noch vor der sportlichen, kommt dabei die logistische Herausforderung: die Fahrt zum Bundesleistungszentrum nach Kienbaum/Berlin.

Wenn am Donnerstagmorgen sieben Rollstuhlbasketballer und vier Tischtennis-Spieler der Erich-Kästner-Schule samt ihrer drei Betreuer im Zug Richtung Berlin sitzen, ist für Gabi Heßler-Stark ihr Teil am ‚Projekt Titelverteidigung‘ fast schon getan. „Wenn wir erst mal losgefahren sind, wird hoffentlich die Anspannung ein bisschen abfallen“, sagt sie und lacht. Und das, obwohl das erste Spiel dann noch nicht mal angepfiffen ist. Doch vor dem Kampf um Medaillen in Berlin muss zunächst die Fahrt der elf Schüler, die zum Teil auf den Rollstuhl angewiesen sind, zum Bundesfinale organisiert werden. Und das ist der Job von Gabi Heßler-Stark, Lehrerin und Sportkoordinatorin an der Schule.

586 Kilometer liegen zwischen Langen in Hessen, südlich von Frankfurt am Main, und Kienbaum vor den Toren Berlins. Eine kleine Deutschland-Reise, auf die sich die Schüler am Donnerstag machen werden. Und eine Reise, die geplant sein will. Heßler-Stark erzählt: „Direkt nach der Qualifikation für Berlin haben wir schon mit den Planungen begonnen.“ Die Eltern mussten informiert werden, damit keiner der Schüler von Donnerstag bis Sonntag einen Arzt- oder Krankenhausbesuch hat. Die Fahrt und den Transport der Rollstühle organisiert die Deutsche Bahn in Absprache mit Heßler-Stark. Das Unternehmen ist Hauptsponsor von ‚Jugend trainiert für Paralympics‘ und organisiert als Mobilitätspartner auch die barrierefreie An- und Abreise aller teilnehmenden Schulen. Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, erklärt, warum die Deutsche Bahn ‚Jugend trainiert für Paralympics‘ unterstützt: „Mit unserem Engagement wollen wir nicht nur sportliche Talente fördern, sondern auch über den Sport Schülerinnen und Schülern mit Behinderung helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Das ist Teil der gesellschaftlichen Verantwortung, die wir als Bahn wahrnehmen.“

Die sieben Sportrollstühle der Basketballer von der Erich-Kästner-Schule sind bereits am Montag von einer Spedition abgeholt worden. „Die Sportrollstühle sind breiter als die normalen Rollis, die hätten gar nicht in den Zug gepasst“, erklärt Heßler-Stark. Am Donnerstag reisen dann auch die elf Schüler und ihre drei Betreuer, darunter auch Gabi Heßler-Stark, nach Berlin. Die Fahrt ist bis ins Detail durchorganisiert. Um zehn Uhr wird die Delegation der Erich-Kästner-Schule in Langen starten, mit dem Regionalzug nach Frankfurt, mit dem ICE nach Berlin und von dort mit dem Bus nach Kienbaum. Mitarbeiter der Mobilitäts Service Zentrale (MSZ) der Deutschen Bahn haben nicht nur die entsprechende Verbindung für die Schule rausgesucht, sondern sorgen auch dafür, dass an den Bahnhöfen Personal gegebenenfalls beim Umsteigen helfen kann. „Dieser Service ist wirklich super“, sagt Heßler-Stark, „auch wenn wir das mittlerweile ganz gut selbst im Griff haben.“ Zunächst hätte die Bahn eine Verbindung vorgeschlagen, bei der die Schüler und ihre Betreuer die S-Bahn von Langen aus nach Frankfurt hätten nehmen müssen. „Das Gleis für die S-Bahn liegt für Rollstuhlfahrer in Langen jedoch ungünstig. Also wurde eine neue Verbindung gesucht, die von einem anderen Gleis abfährt. Das ist nun einfach für uns.“

Heßler-Stark will nichts dem Zufall überlassen. „Ich habe bei der Bahn auch nochmal die Maße der Rollstühle durchgegeben, damit vorher geklärt werden kann, dass die Türen auch tatsächlich breit genug sind.“ Nicht alle Schüler der Erich-Kästner-Schule sind dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen, auf der Fahrt nach Berlin sind drei Rollstuhlfahrer dabei. Doch deren Rollstühle müssen durch die Zugtüren passen, außerdem können beim Umsteigen spezielle Rampen die Fahrt in und aus dem Zug erleichtern.

Trotz der Aufregung – sie freue sich auf Berlin, sagt die Lehrerin, und ja, sie freue sich auch auf die Zugfahrt, vor allem für ihre Schüler. „Viele sind bei den Turnieren im vergangenen Jahr zum allerersten Mal in ihrem Leben ICE gefahren oder sie fahren in diesem Jahr zum ersten Mal ICE.“ Auch in Berlin seien viele vorher noch nie gewesen. Die Wettkämpfe finden zwar im Bundesleistungszentrum in Kienbaum statt, weit weg von Brandenburger Tor, Fernsehturm und Großstadttrubel. Die Eröffnungsveranstaltung von ‚Jugend trainiert für Paralympics‘ findet jedoch in der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg, mitten in der Berliner Innenstadt, statt. Zudem treffen sich die Teilnehmer von JTFP mit dem DBS-Kuratorium, um ein gemeinsames Foto am Gendarmenmarkt zu machen. Gabi Heßler-Stark sagt: „Die Teilnahme an Jugend trainiert für Paralympics und auch das Ganze drum herum, all das ist insgesamt eine tolle Erfahrung, die unsere Schüler sonst nie machen würden.“