Was sind psychische Erkrankungen?

Psychische Erkrankungen können angeboren sein oder auch durch traumatische Erlebnisse oder Situationen entstehen. Genetische Veranlagungen, neurobiologische Defekte und Traumen können u. a. auch Ursachen sein.

Zu der Gruppe der Menschen mit psychischen Erkrankungen, für die Rehabilitationssport auf ärztliche Verordnung in den Sportvereinen angeboten wird, werden Personen mit Neurosen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, psychosomatischen Störungen, Suchterkrankungen, Schizophrenie, Anfallsleiden sowie mit autistischem Syndrom gezählt.

Zurzeit werden von über 40.000 qualifizierten und lizenzierten Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie Trainerinnen und Trainern zahlreiche und vielfältige Sportgruppen in den Behinderten- und Rehabilitationssportvereinen des Deutschen Behindertensportverbandes e.V. (DBS) geleitet. Zu diesen Sportgruppen zählen auch Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Für den Bereich des Rehabilitationssports bei psychischen Erkrankungen gibt es dafür einen eigenständigen Ausbildungslehrgang zum/r „Übungsleiter/in B Rehabilitationssport Psychiatrie“. Dieser berechtigt dazu, im Rahmen des Rehabilitationssports Angebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu leiten. Neben diesem werden im Ausbildungssystem des DBS im Bereich des Rehabilitationssports Ausbildungslehrgänge in noch fünf weiteren Profilen angeboten: Orthopädie, Innere Medizin, Sensorik, Neurologie und Geistige Behinderung. Es ist zu vermuten, dass sich oftmals auch in allen, von den ausgebildeten Übungsleitern/innen durchgeführten Angeboten, Menschen mit zumindest psychischen Belastungen befinden. Denn häufig birgt eine Behinderung auch eine psychische Komponente, beispielsweise die Herausforderung allgemein mit der Behinderung im Alltag umzugehen. U.a. auch aus diesem Grund wird der Bereich Psychologie bereits im Grundlagenbereich der Ausbildung im DBS, welchen jede/r Übungsleiter/in durchlaufen muss, in seinen Grundzügen verpflichtend thematisiert.

Fakten

Aus einer Studie geht hervor, dass fast die Hälfte der Patienten/innen beim Eintreten einer Erkrankung bzw. Behinderung zumindest unter psychischen Belastungen leidet. Psychische Störungen treten bei rund 20 Prozent auf (Härter et al. 2007). Psychische Komorbidität (Begleiterkrankung) ist zudem häufig: Jede(r) Fünfte in der Rehabilitation hat mindestens eine, jede(r) Zwölfte mehr als eine psychische Störung. Angst und Depression stehen im Vordergrund: Die häufigsten Diagnosen waren depressive Störungen und Angststörungen. Das Erkennen und gezielte Behandeln der psychischen Komorbidität rückt somit auch mehr und mehr in den Fokus der Rehabilitationswissenschaft.

Genauere Zahlen zum Auftreten von Depressionen und wahnhaften Störungen in der Gesamtbevölkerung liefert der BARMER GEK Arztreport. Danach werden schätzungsweise etwa 6,6 % aller GKV-Versicherten bzw. 4,6 Millionen Personen allein der Hierarchisierten Morbiditätsgruppe 58 (HMG 58 - „Depressionen und wahnhafte Störungen“) zugeordnet, orientiert an den Morbiditätsangaben aus dem Jahr 2008. Darunter fallen ca. 1,2 Millionen Männer und ca. 3,4 Millionen Frauen.²

Was sind Depressionen?

PD Dr. Christine Rummel-Kluge, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, gibt dazu folgende Informationen:

„Eine Depression ist eine Erkrankung, die man behandeln muss – das wissen viele Menschen nicht. Sie lässt sich klar von normalen Stimmungsschwankungen abgrenzen. So spricht man von einer Depression, wenn zwei der folgenden drei Hauptsymptome länger als zwei Wochen vorliegen: gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und reduzierter Antrieb. Das betrifft alle Lebensbereiche, auch Dinge, die sonst immer Freude gemacht haben: ein Hobby, die Enkel oder Gartenarbeit. Weitere Symptome können Konzentrationsstörungen, schwindendes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen und Suizidgedanken sein. Häufig werden im Rahmen einer Depression auch körperliche Beschwerden wie Tinnitus oder chronischer Rückenschmerz verstärkt wahrgenommen. Betroffene brauchen professionelle ärztliche Hilfe. Ein erster Ansprechpartner kann der Hausarzt oder auch ein Facharzt für Psychiatrie sein.“

Quellen und weiterführende Literatur:

1 DRV&BMBF, 2009, S. 25 f

2 Barmer GEK Arztreport 2010, S. 167