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Para Kanu: EM als Standortbestimmung nutzen

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Tom Kierey © Binh Truong / DBS

Der deutschen Para-Kanu-Nationalmannschaft steht der erste große internationale Wettkampf nach den erfolgreichen Paralympischen Spielen von Rio bevor. Im bulgarischen Plovdiv finden vom 12. bis 16. Juli die Europameisterschaften statt. Cheftrainer Arne Bandholz reist mit sechs Athletinnen und Athleten, einigen Medaillenhoffnungen und dem langfristigen Blick auf die WM im August nach Bulgarien.

Nach dem eher durchwachsenen Start in die internationale Wettkampf-Saison nutzten fast alle gemeldeten Nationalmannschaftsfahrer das gemeinsame Trainingslager in Berlin-Grünau. „Für mich ist es immer bereichernd nicht alleine sondern mit anderen Athleten zusammen zu trainieren. Wir konnten weiter an meinen Schwächen arbeiten und es hat mir besonders geholfen, dass über die ganze Woche die Trainer konstant ein Auge auf meine Schwächen hatten“, resümierte Paralympics-Teilnehmerin Anke Molkenthin vom KRV München das Trainingslager. Jürgen Hausmann, Disziplintrainer und Heimtrainer von Tom Kierey, ergänzte: „Der erster Lehrgang war trotz ungeplanter Standortverlegung erfolgreich. Die Bedingungen waren bis auf den letzten Tag gut und wir konnten unser Programm stramm durchziehen. Auch die Stufentests haben gute Ergebnisse gezeigt – die Athleten sind fit und wir freuen uns auf den nächsten Wettkampf, um zu sehen wo wir im internationalen Vergleich stehen.“ Ursprünglich war der Lehrgang der Para-Kanu-Nationalmannschaft im Bundesleistungszentrum in Kienbaum geplant. Aufgrund von Überbelegung wichen die Paddler nach Berlin-Grünau aus, wo sie gute und barrierefreie Trainingsbedingungen nutzen konnten.

Bei der EM in Bulgarien werden Anja Adler vom Halleschen KC 54 und Tom Kierey aus Berlin der in der Klasse KL 3 an den Start gehen. Tom Kierey, Weltmeister von 2016 und Silbermedaillengewinner der Paralympics von Rio, blickt trotz erschwerten Bedingungen in der Vorbereitung zuversichtlich auf die anstehenden Wettkämpfe: “Ich hatte einen langsamen Start in die Saison, da ich mich sehr auf meine schulische Ausbildung konzentriert habe. Aber die investierte Zeit hat sich gelohnt – die Prüfungen habe ich bestanden und werde jetzt sogar ein Jahr früher fertig. Jetzt richtet sich mein Fokus auf die Weltmeisterschaften im August in Tschechien. Bei der EM möchte ich auf jeden Fall auf dem Podest landen.“ Für die 28-jährige Rollstuhlfahrerin Anja Adler ist es die erste internationale Saison. Dass vorbereitende Trainingslager mit der Nationalmannschaft hat sie noch weiter motiviert. Sie setzt sich als Ziel bei der EM am Finale teilzunehmen. 

In der Klasse KL 2 werden sich Anke Molkenthin und Ivo Kilian in Bulgarien mit der internationalen Konkurrenz messen. Kilian wird neben den Kajakrennen auch das Va´a-Rennen bestreiten. Verletzungsbedingt musste er die letzten beiden Wochen im Training kürzer treten: „Da ich ein paar Probleme mit der Schulter hatte und damit gut zwei Wochen mit dem Training aussetzen musste, denke ich, dass ich zur EM mit Finalteilnahmen im Kajak und im Vaà gut bedient bin. Je nachdem wie ich die Schulter belasten kann, rechne ich mir im Vaà schon eine Medaille aus, aber wie gesagt, dafür muss die Schulter halten.“ Im Va´a wird neben Kilian mit dem Unterschenkel-amputierte Maik Polte ein weiterer Hallenser Kanute in der Kl 3 an den Start gehen.

Die Silbermedaillengewinnerin von Rio und amtierende Weltmeisterin Edina Müller vom Hamburger KC wird bei den Europameisterschaften erstmals in dieser Saison auf ihre stärkste Konkurrentin Jeanette Chippington aus Großbritannien treffen. Die Einschätzung der 34-jährigen Rollstuhlfahrerin zeigt verhaltenen Optimismus: „Eine Woche Trainingslager ist zwar kurz, aber es bringt mich immer weit voran, wenn ich über einen längeren Zeitraum mehrmals am Tag auf dem Wasser sein kann. Für mich lief die Vorbereitung schleppend – ich musste Anfang des Jahres über zwei Monate wegen einer schweren Grippe mit dem Training aussetzen und kam bisher nicht auf meinen erwünschten Trainingsstand. Ich hoffe, dass es jetzt  zur EM aufwärts geht und sich die komprimierten letzten Monate und die harte Arbeit auszahlen. Ich bin gespannt auf die EM, denn Plovdiv ist eine neue Strecke für uns. Trotzdem nehme ich mir das Ziel eine Medaille mit nach Hause zu nehmen.“

Arne Bandholz, Cheftrainer der Para-Kanu-Nationalmannschaft, zeigte sich nach dem Trainingslager in Grünau durchaus zufrieden mit den gezeigten Leistungen und dem Trainingsstand seiner Schützlinge. „Nach den letzten Rennen in Brandenburg beim Deutschland-Cup und dem Trainingslager in Berlin bin ich zur EM sehr positiv eingestellt. Die Stimmung im Team ist sehr gut und in jeder Einheit wird hart gearbeitet – es sind bereits deutliche Fortschritte zu erkennen. Ich möchte hier einen großen Dank an die Heimtrainer aussprechen, die täglich mit den Sportlern arbeiten und tolle Arbeit leisten. Ich sehe die EM als Zwischenstation, die aus dem Training heraus gefahren wird. Es wird uns hoffentlich trotzdem der ein oder andere Podestplatz gelingen. Doch das Ziel ist ganz klar die WM und dort möglichst gute Plätze zu erreichen, um die gute Teamleistung zu unterstreichen.“

Die stärksten Gegner der deutschen Para-Kanuten kommen wie in den letzten Jahren aus Großbritannien, Russland und der Ukraine. Die Finalläufe in Plovdiv finden am Freitag den 14. Juli und Samstag den 15. Juli statt.

Quelle: Christel Schlisio

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