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Medaillenjagd mit sensationellem Ausgang

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Überraschungs-Weltmeister Tobias Vetter © Oliver Kremer, sports.pixolli.com

Was für eine Ausbeute: Die deutsche Nationalmannschaft jubelt bei den Para-Radsport-Weltmeisterschaften über zehnmal Gold, viermal Silber und sechsmal Bronze. Es war eine Medaillenjagd mit sensationellem Ausgang für das Team von Bundestrainer Patrick Kromer im südafrikanischen Pietermaritzburg. Zum Abschluss sprinteten Kerstin Brachtendorf, Pierre Senska und völlig überraschend auch Tobias Vetter im Straßenrennen zu Gold, Denise Schindler und Steffen Warias gewannen Silber und Michael Teuber holte ebenso Bronze wie das Team zum Abschluss. 20 Medaillen in vier Wettkampftagen – eine herausragende Bilanz.

Freud und Leid liegen im Zielsprint stets dicht beieinander. Während Kerstin Brachtendorf in der C5-Klasse und Pierre Senska in der C1-Klasse nach 60,7 Kilometern sowie sensationell auch Newcomer Tobias Vetter (C4) nach 85 Kilometern das Straßenrennen jeweils vergoldeten, verpassten Denise Schindler (C3), Steffen Warias (C3), Michael Teuber (C1), Andreas Rudnicki (C3) und Thomas Schäfer (C4) den WM-Titel. Schindler und Warias konnten sich mit Silber trösten sowie Teuber mit Bronze, Schäfer wurde Fünfter und Rudnicki Siebter.

Umso größer war der Jubel bei Brachtendorf, Vetter und Senska, der seinen Titel von 2015 verteidigte und seine Sprinterqualitäten wieder unter Beweis stellte. „Es war ein extrem hartes Rennen, am Ende waren wir nur noch zu dritt und neben dem Spanier war zum Glück noch Michael Teuber mit dabei, so dass wir ihn zu zweit beschäftigen konnten. Auf der Zielgeraden habe ich dann meine Stärken im Sprint ausgespielt und bin überglücklich“, sagt der 29-jährige Berliner vom BPRSV Cottbus.

Auch Teamkollegin Kerstin Brachtendorf war nach dem anspruchsvollen Rennen mit vielen Steigungen happy. „Mit unseren Ausreißversuchen sind wir nie richtig weggekommen, so dass es auf einen Zielsprint hinauslief. Ich habe versucht cool zu bleiben, mir ein Hinterrad zu suchen und erst kurz vor der Linie vorbeizuziehen, was mir tatsächlich gelungen ist. Ein sehr emotionales Rennen, die Erleichterung ist groß und die Freude riesig“, berichtet die 45-Jährige aus Mendig (Rheinland-Pfalz) nach dem knappen Foto-Finish.

Überraschungs-Weltmeister Tobias Vetter war nach seiner unerwarteten Gold-Fahrt bei seiner WM-Premiere noch völlig ungläubig: „Ich habe niemals damit gerechnet, mein Ziel war ein Platz unter den besten Zehn. Das Rennen ist für mich super gelaufen und am Ende habe ich sogar die Nase vorne gehabt. Unfassbar, ich bin noch völlig überwältigt“, jubelt der 35-jährige Newcomer aus Gera vom BSV München nach der Sensation in der starken C4-Klasse.

Mit Hans-Peter Durst, Andrea Eskau und Christiane Reppe gibt es sogar drei Doppel-Weltmeister im deutschen Team. Das Trio war von der Konkurrenz weder im Zeitfahren noch im Straßenrennen zu bezwingen und stellte seine Klasse erneut eindrucksvoll unter Beweis. Alle drei gehörten in ihren Klassen zu den heißen Titelanwärtern, doch das Leistungsvermögen auf den Punkt abzurufen und sich in beiden Wettbewerben zu behaupten, ist eine große Qualität – „und keine Selbstverständlichkeit“, betont Bundestrainer Patrick Kromer. Michael Teuber gewann zudem im Zeitfahren das 19. WM-Gold seiner außergewöhnlichen Karriere und ließ Bronze im Straßenrennen folgen, über jeweils zwei Medaillen freuten sich auch Kerstin Brachtendorf, Jana Majunke und Denise Schindler. Zum gelungenen Abschluss räumte das Trio Bernd Jeffré, Mariusz Frankowski und Andrea Eskau noch Bronze im Team Relay und damit die 20. Medaille für das deutsche Team ab.

Die größten Überraschungen aus deutscher Sicht schafften zwei WM-Debütanten: die 24-jährige Raphaela Eggert ließ mit Silber im Zeitfahren aufhorchen, Tobias Vetter krönte seine Premiere mit Gold im Straßenrennen. „Das sind wirklich enorme Ergebnisse, die zeigen, dass wir uns sehr gut vorbereitet haben und zudem den nötigen Willen und manchmal auch das Quäntchen Glück auf unserer Seite hatten. Die WM war für uns ganz große Klasse, wir können wirklich sehr zufrieden sein“, resümiert Bundestrainer Patrick Kromer.

Die Medaillen im Überblick:

Gold Zeitfahren:

Hans-Peter Durst (59 / Kaufbeuren / RuMC 1925 Sturm Hombruch Dortmund / Klasse T2), Andrea Eskau (46 / Apolda (Thüringen) / USC Magdeburg / Klasse H5), Christiane Reppe (30 / Dresden / GC Nendorf / Klasse H4), Michael Teuber (49 / Tegernsee / BSV München / Klasse C1).

 

Gold Straßenrennen:

Kerstin Brachtendorf (45 / Mendig (Rheinland-Pfalz) / BPRSV Cottbus / Klasse C5), Hans-Peter Durst (59 / Kaufbeuren / RuMC 1925 Sturm Hombruch Dortmund / Klasse T2), Andrea Eskau (46 / Apolda (Thüringen) / USC Magdeburg / Klasse H5), Christiane Reppe (30 / Dresden / GC Nendorf / Klasse H4), Pierre Senska (29 / Berlin / BPRSV Cottbus / Klasse C1), Tobias Vetter (35 / Gera / BSV München / Klasse C4).

 

Silber Zeitfahren:

Raphaela Eggert (24 / Augsburg / BPRSV Lörrach / Klasse C4).

 

Silber Straßenrennen:

Jana Majunke (27 / Cottbus / BPRSV Cottbus / Klasse T2), Steffen Warias (32 / Tübingen / BSV München / Klasse C3), Denise Schindler (32 / Karl-Marx-Stadt / BPRSV Cottbus / Klasse C3).

 

Bronze Zeitfahren:

Kerstin Brachtendorf (45 / Mendig (Rheinland-Pfalz) / BPRSV Cottbus / Klasse C5), Jana Majunke (27 / Cottbus / BPRSV Cottbus / Klasse T2), Denise Schindler (32 / Karl-Marx-Stadt / BPRSV Cottbus / Klasse C3).

 

Bronze Straßenrennen:

Bernd Jeffré (53 / Kiel / GC Nendorf / Klasse H4), Michael Teuber (49 / Tegernsee / BSV München / Klasse C1), Team Relay (Bernd Jeffré, Mariusz Frankowski, Andrea Eskau).

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