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Paralympisches Jugendlager

Paralympisches Jugendlager


Das Paralympisches Jugendlager

Entstehungsgeschichte und Chronologie

Carl Diem, Sportfunktionär und –wissenschaftler sowie Urheber des olympischen Fackellaufs in der Neuzeit, war einer der Väter des Gedankens eines Internationalen Jugendlagers, welches bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm erstmals ins Leben gerufen wurde. Diem hauchte dieser Idee zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936 neues Leben ein. Doch nach diesem Jugendlager, geriet der Gedanke bis 1952 in Helsinki erneut in Vergessenheit und wurde erst ab 1960 in Rom zum festen Bestandteil der Olympischen Spiele. Fast ein komplettes ereignisreiches Jahrhundert nach den Spielen in Stockholm, sollten auch die jugendlichen Menschen mit Behinderung ein Lager in der jeweiligen Olympiastadt bekommen.

Barcelona 1992 Erstmals, und somit modellhaft, wird die spanische Metropole Zeuge des ersten Paralympischen Jugendlagers, das bisher jedoch auf rein nationaler Ebene von der Deutschen Behinderten-Sportjugend (DBSJ) organisiert wird.
Atlanta 1996 Das zweite Paralympische Jugendlager hat bereits an Bedeutung in der Öffentlichkeit und Gesellschaft gewonnen. Die Bundesministerin des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Frau Claudia Nolte, übernimmt die Schirmherrschaft.
Sydney 2000 Aus integrativer Sicht das bedeutendste Jugendlager, da auf Initiative des Vorstandes der DBSJ auch erstmals Jugendliche ohne Behinderung anderer Spitzenverbände des damaligen Deutschen Sportbundes teilnehmen und ins Land der Kängurus und Koalas aufbrechen. Die DBSJ hat hiermit ihre Zielsetzung unterstrichen - gerade aus der Sicht des Behindertensports - einen wichtigen Beitrag zur Integration auch in umgekehrter Richtung geleistet zu haben. Schirmherrin ist wieder die Bundesministerin des BMFSFJ, Frau Christine Bergmann.
Athen 2004 Das Nationale Paralympische Jugendlager wird zum Internationalen Paralympischen Jugendlager. Erstmals greifen auch andere Nationen den Gedanken auf und schließen sich der Organisation der DBSJ an. Österreich und die Türkei entsenden zusammen mit den Deutschen Jugendliche nach Griechenland in das Ursprungsland der olympischen Idee. Ein weiteres Novum erfreut die Jugendlichen im Besonderen. Bundespräsident Horst Köhler macht sein Versprechen wahr und besucht das Jugendlager in Athen und spricht eine Gegeneinladung in seinen Amtssitz in das Schloss Bellevue in Berlin aus.


In Folge der Paralympics in Athen richten die teilnehmenden Nationen des Paralympischen Jugendlagers 2004 im jährlichen Wechsel Internationale Paralympische Jugendcamps aus. Am 26. November 2005 in Warschau erhielt die DBSJ zudem die „Willi Daume International Fair Play Trophy 2004“ des „International Fair-Play Committee (CIFP)“ für die Bemühungen ein Internationales Paralympisches Jugendlager ins Leben zu rufen: „Die Jugendorganisation des DBS ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man bei jungen Menschen Einfluss ausüben kann, um den Fair Play Gedanken umzusetzen sowie auch das kulturelle Verständnis zu wecken.“

Das 5. Paralympisches Jugendlager der DBSJ
Im Rahmen der XIII. Paralympics 2008 wird der Deutsche Behindertensportverband (DBS) e.V. nicht nur seine Spitzensportler nach Peking entsenden, sondern erneut auch in der Zeit vom 05. - 18.09.2008 ein “Paralympisches Jugendlager“ durchführen.
Die Ziele der Deutschen Behinderten-Sportjugend und somit gleichwohl die des Paralympischen Jugendlagers liegen darin, Kinder und Jugendliche mit Behinderung durch Sport in den allgemeinen Lebensprozess zu integrieren. Lebensfreude, soziale Kontakte, Persönlichkeitsentwicklung sowie Stärkung des Selbstwertgefühls sind durch den Sport erreichbar und bieten eine ideale Möglichkeit der Eingliederung in die Gesellschaft.
In Peking selbst werden, wie bereits in den vergangenen Paralympischen Jugendlagern, weitere Ziele verfolgt. Gemäß der Paralympischen Idee stehen neben dem Erlebnis der Paralympischen Spiele das Kennenlernen des Gastgeberlandes, seiner Menschen, Kultur und Geschichte und die Förderung des gegenseitigen Verstehens durch gemeinsame sportliche und kulturelle Aktivitäten im Mittelpunkt. Auch die Ziele der "Paralympischen Erziehung", wie eine harmonische ganzheitliche Erziehung, ein faires und friedvolles Miteinander und ein gemeinsames und umweltverträgliches Sporttreiben, werden bei dieser Veranstaltung Anwendung finden.
Ein weiteres Interesse der DBSJ liegt darin, die  Teilnehmer des Jugendlagers für ein nachhaltiges Engagement im Sport zu gewinnen. Sei es in aktiver und leistungsorientierter Form oder als ehrenamtlicher Mitarbeiter im Sport (Soziales Talent).
Bereits im Januar 2008 hat die Nominierungskommission der Deutschen Behinderten-Sportjugend getagt. Wie in den Jahren zuvor wurde auch in diesem Jahr der integrative Prozess weiter voran getrieben. So wurden für die Teilnehmergruppe 37 Jugendliche mit Behinderung und sieben Jugendliche ohne Behinderung im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie 12 Betreuer und vier Personen als Delegationsleitung nominiert.
Die erneute Teilnahme unseres Partnerverbandes aus Österreich verleiht dem DBSJ-Jugendlager einen Hauch von Internationalität. Trotz aller Bemühungen des Vorstandes der DBSJ - selbst über das International Paralympic Committee (IPC) – ist es diesmal leider nicht gelungen, weitere Nationen für die Idee eines Internationalen Paralympischen Jugendlagers zu begeistern.
Das Jugendlager steht unter der Patronage von Sir Philip Craven – Präsident des IPC – als Privatperson.
Zur Finanzierung des Paralympischen Jugendlagers trägt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei, dessen Ministerin - Frau Dr. Ursula von der Leyen - auch die Schirmherrschaft übernommen hat. Des Weiteren haben mehrere Stiftungen und Firmen durch Spenden die Gesamtfinanzierung sichergestellt (vgl. auch www.dbsj.de).

Was erwartet die Teilnehmer?
„Die Jugendlichen werden in Peking zahlreiche Highlights erleben. Natürlich werden sie Wettkämpfe besuchen, um auf diese Weise paralympische Luft zu schnuppern und großartige Leistungen bewundern. Der Besuch der Eröffnungs- sowie der Abschlussfeier werden hierbei selbstverständlich nicht ausgelassen.
Unser Programm umfasst auch die Besichtigung der weltbekannten und antiken Orte der Stadt und Umgebung. Der Platz des Himmlischen Friedens, die Verbotene Stadt, der Himmelstempel oder der Besuch des Hong qiao Marktes, der hervorragende Einkaufsmöglichkeiten zu bieten haben soll, werden für die Teilnehmer sicherlich ein unvergessliches Erlebnis. Ein weiterer Tagesausflug führt dann auch zum Wahrzeichen des Landes, nämlich zur Chinesischen Mauer in Mutianyu mit einem anschließenden Einkaufsbummel auf dem Seidenmarkt. Neben dem Besuch der Deutschen Botschaft oder der Internationalen Zone des Paralympischen Dorfes erwartet die Teilnehmer eine Reihe weiterer Höhepunkte auf ihrem Weg durch die chinesische Hauptstadt.“
Detlev Lütkehoff, Jugendsekretär der Deutschen Behinderten-Sportjugend und Mitorganisator des Paralympischen Jugendlagers in Peking

Früchte des Paralympischen Jugendlagers
Verena Bentele
Verena ist blind. 1996 war sie Teilnehmerin des Paralympischen Jugendlagers in Atlanta. In Folge dessen reifte sie zur Spitzensportlerin im Wintersport. Bei den Winterparalympics 1998 in Nagano gewann sie eine Bronzemedaillen, zwei Silbermedaillen und eine Goldmedaille. Vier Jahre später in Salt Lake City konnte sie Ihren Erfolg sogar noch ausbauen und gewann dreimal Gold. Die zahlreichen WM und EM-Titel lassen sich schon gar nicht mehr an einer Hand abzählen und so war es kaum verwunderlich, dass sie auch im Winter 2006 in Turin groß auftrumpfte und abermals zwei goldene und eine silberne Medaille mit in ihre Heimat brachte.
Alhassane Baldé
Der gebürtige Westafrikaner ist querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Im Jahr 2000 gehörte er zu den Teilnehmern des Paralympischen Jugendlagers in Sydney. Wie er selbst sagt, „eine unvergessene Erinnerung und ein weiterer Motivationsschub sich für den Leistungssport zu engagieren“. Als Rennrollstuhlfahrer gewann er in den folgenden Jahren zahlreiche Medaillen bei Juniorenturnieren und nahm im Alter von gerade einmal 19 Jahren an den Paralympics in Athen 2004 teil.  2006 wurde er mit dem Sonderpreis des Behindertensports bei der Wahl zum Juniorensportler des Jahres ausgezeichnet. Bei den Paralympics in Peking 2008 will er weitere Höchstleistungen bringen und eine Medaille gewinnen.

 

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